Rath – der zehnte Gereon-Rath-Roman, Volker Kutscher, Piper, 2025 (für die Taschenbuchausgabe)
[eigenes Exemplar, eigene Meinung, Werbung]
Familiendrama vor dem Hintergrund der Reichskristallnacht
Darum geht es
Gereon Rath ist zurück in Deutschland, obwohl er offiziell tot ist und tot bleiben muss für seinen Erzfeind Tornow. Doch da Raths Vater im Sterben liegt (seit einem Jahr) versteckt Rath sich im Rheinland (nettes Schmankerl: als Gärtner bei Konrad Adenauer). Seine Frau Charly bekommt inzwischen eine Witwenrente und arbeitet weiter für die Detektei Böhm. Nur heimlich treffen sie sich in einem Hotel zwischen Berlin und Köln.
Auch der Kriminalfall hängt wieder mit der Familie Rath zusammen. Friedrich Thormann, der ehemalige Ziehsohn der Raths, ist von seiner neuen Pflegefamilie Rademann weggelaufen und ihm wird ein Mord vorgeworfen. Daher versucht Charly, ihn vor der Polizei zu finden und gleichzeitig seine Unschuld zu beweisen.
Tornow versucht alles, um Rath zurück nach Berlin zu locken. Dabei geht er auch über Charly, die irgendwann spurlos verschwunden ist.
Mein Eindruck
Ich las Volker Kutscher vom nassen Fisch an und bevor der Hype auf die Zwanziger Jahre durch die Filmserie Babylon Berlin entstand. Dabei war ich begeistert von den Personen Setting mit dem unbequemen, Grenzen überschreitenden Rath und der aufrechten, cleveren Charly. Dazu das Gefühl des drohenden Nazi-Regimes und ein solider Kriminalfall.
Doch schon bei Olympia und noch mehr bei Transatlantik war ich enttäuscht, weil sich alles nur noch um die Familie Rath und ihren Ziehsohn Friedrich Thormann zu drehen schien. Gingen dem Autor die Ideen aus? War das Personal (auch mit Gräf, Tornow, Lange, Hannah, Rademacher, etc.) inzwischen zu umfangreich, sodass ein zusätzlicher Fall die Leser verwirren würde? Auch für den letzten Teil muss als Kriminalfall wieder Thormann als vermeintlicher Täter für die Spannung und die Motivation von Charly sorgen, einen Mordfall aufzuklären. Natürlich zieht sich auch die ewige Fehde zwischen Rath und Tornow durch das Buch. Viele in den zwei vorherigen Büchern angestoßenen Handlungsstränge werden nun zum Ende geführt, was bei dem angekündigten Ende der Reihe ja auch gut ist. Nur wenige Fragen bleiben offen, doch insgesamt ist es ein würdiges letztes Rath Buch.
Fazit
Meine Empfehlung ist, die Bücher Olympia und Transatlantik vorher gelesen zu haben, bevor man sich an den letzten Teil der Reihe Rath wagt. So versteht man viele der Andeutungen und Zusammenhänge, die im 10. Band zusammengefasst und zu einem Ende gebracht werden.
Dann ist Rath ein durchaus spannender Roman, der die damaligen Zeiten detailreich und ungeschönt darstellt. Er rundet die Reihe ab.
Für mich war er aber wegen der Konzentration auf die Familie Rath ebenso wie Olympia und Transatlantik einer der schwächeren Romane von Volker Kutscher.






