Nordlicht – das fremde Gesicht, Anette Hinrichs, blanvalet, 2026
[Rezensionsexemplar, eigene Meinung, Werbung]
Darum geht es
Vibeke Boisen wird nach Süderlügum auf ein Pferdegestüt gerufen, auf dem der Junior-Chef ermordet vom Balken hängt. Erstickt ist er durch ein Gaffer-Tape über Nase und Mund. Alle Ermittlungen verlaufen im Sande, bis Rasmus Nyborg im dänischen Tonder vor der Leiche eines Gastronomen steht, ebenfalls mit verklebten Mund und Nase.
Die Sondereinheit des Gemeinsamen Zentrums der deutschen und dänischen Polizei- und Zollzusammenarbeit tritt zusammen. Ein dritter Mord in Kopenhagen erzeugt zusätzlichen Druck. Die Abstände zwischen den Taten werden immer kürzer, und nur Fotos, die in den Leichen deponiert wurden, geben einen unklaren Hinweis.
Vibeke und Rasmus kämpfen gegen die Zeit.
Mein Eindruck
Kurze Charakterisierungen von Vibeke und Rasmus auf der Innenseite des Umschlages geben mir eine erste Vorstellung von diesem speziellen Ermittlerpaar und helfen mir, schnell in den siebten Band der Reihe Nordlicht hineinzukommen.
Vorkenntnisse brauche ich nicht, die persönliche Vergangenheit der beiden fließt kurz und unauffällig in die Geschichte ein. Insbesondere der Drogentod seines Sohnes Anton wird Rasmus in diesem Band immer wieder ablenken.
Die Karte hilft mir bei der Orientierung der mit vielen Details und tollen Beschreibungen gekennzeichneten Orte, die von Romo bis Kopenhagen reichen. Das stärkt bei mir den Eindruck, dass die Autorin sich bestens mit der Gegend und den dänischen und nordfriesischen Gepflogenheiten auskennt, sowie mir auch die Ermittlungs- und Polizeiarbeit authentisch geschildert wird.
Der Hintergrund der Morde zeichnet sich im Laufe der Ermittlungen erst langsam ab – für mich etwas zu langsam, manche Zusammenhänge hätte ich mir geraffter oder mit weniger Blutzoll gewünscht. Einzelne Szene aus der Vergangenheit verschaffen mir als Leserin einen Vorsprung vor den Ermittlern, aber manchmal habe ich den Eindruck, stellen sie sich doch sehr begriffsstutzig an. Natürlich ist es nicht hilfreich, wenn sie immer wieder gegen Mauern des Schweigens und der Lügen laufen.
Zum Schluss greifen viele Punkte ineinander, es gibt für mich neben dem Offensichtlichen eine nette Überraschung, aber eine andere Auflösung wäre in meinen Augen plausibler gewesen.
Fazit
Der Krimi ist solide aufgebaut, glänzt mit detaillierten Beschreibungen und anfangs spannenden Ermittlungen, die manche Fragen aufwerfen und erst spät beantworten. Dann schleicht sich eine gewisse Länge ein, die erst durch das klassische Ende wieder an Fahrt aufnimmt, daher gutgemeinte 4 Elefanten.

Vielen Dank an Lovely Books für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars im Rahmen der Leserunde.





