Felix Blom – Der Häftling aus Moabit, Alex Beer, Limes, 2022
[eigenes Exemplar, eigene Meinung, Werbung]
Gauner oder Detektiv – oder beides?
Darum geht es
1878 ist die Stadtvogtei nur noch ein Untersuchungsgefängnis. Strafen werden im neumodischen Gefängnis in Moabit abgesessen. So wurde auch Felix Blom zu drei Jahren Haft verurteilt, natürlich unschuldig, und als er 1878 wieder frei kommt, hat er kein Geld, keine Freunde, keine Wohnung und keine Arbeit, muss Arbeit und Wohnung aber innerhalb von drei Tagen finden. Nur mit dem Erbarmen seines früheren Bosses bekommt er eine Unterkunft im Krögel, direkt neben dem Polizeipräsidium.
Dort, in den Tiefen der Hinterhöfe, will sich die ehemalige Prostituierte Mathilde als Privatdetektivin einen Namen machen. Das ist nicht so leicht, denn wer traut einer Frau nur diese Tätigkeit zu? Da kommt Felix gerade recht als Pseudo-Detektiv, als Mann, der den Auftrag annimmt, denn mehr traut sie ihm nicht zu.
Doch der erste Fall wird gleich persönlich: jemand mordet in Berlin scheinbar wahllos, informiert jedoch seine Opfer mit einer Karte, die den Tod ankündigt. Und nun hat auch Felix Blom so eine Karte bekommen…
Mein Eindruck
Ein neues Ermittler-Duo in Berlin zur Kaiserzeit. Und beide Charakter sind vieldimensioniert gezeichnet: Felix als Gauner, der sich wieder zurechtfinden muss und denjenigen sucht, der ihn hereingelegt hat, sich also routiniert in der Gauner- und Diebesszene bewegt. Nun muss er seine Schläue einsetzen für das Gute, das Lösen eines Falles, und seinen Tod verhindern. Dazu die kratzbürstige Mathilde, die sich nichts gefallen lässt und doch seine Hilfe braucht. Nicht zu schweigen von den Polizisten, die, wie es sich gehört, immer etwas hinterherhinken.
Das alles vor dem realistisch geschilderten Hintergrund der 1870iger Jahre, gut recherchiert, authentisch und spannend erzählt.
Fazit
Mich hat der detaillierte Blick in den Krögel und das Präsidium begeistert. Die Krimigeschichte war spannend geschrieben und handwerklich gut gemacht. Ich freue mich auf die weiteren Fälle mit Felix Blom (zwei weitere gibt es schon).






